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Ziel- und etwas planlos startete mein Jahr. Lust aufs Angeln hatte ich natürlich – wie fast immer. Aber mit den Gewässern, die ich im Kopf hatte, war ich irgendwie unzufrieden. Meine Ansprüche sind eigentlich nicht besonders hoch: Natur, Ruhe, wenig bis gar kein Angeldruck und gern ein bisschen Abenteuer. Einfach ein Ort zum Wohlfühlen.

Die ersten Sessions des Jahres verbrachte ich an Kiesgruben und anderen Baggerseen. Doch dort fühlte es sich nicht wie eine „Aufgabe“ an, sondern eher nach dem klassischen „Standardplatz“.

Bis mich ein Kumpel an einen Fluss einlud. Wir bezogen eine Stelle, an der wir sowohl komplett strömungsruhig fischen konnten als auch mitten in der starken Strömung. Die Stellenwahl fiel uns leicht: Er wollte lieber in die Strömung, ich in den ruhigen Bereich. In meinem Kopf dachte ich noch: „Karpfen sind dick und faul – die wollen doch nicht in der Strömung stehen. Ich sitze hier gut und sammle die Fische ein, die sich beim Ausruhen vollfressen.“

Wie ich es hier schon schreibe, war es natürlich fast logisch, dass alles genau nicht so kam, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich fing zum Einpacken einen Mini-Karpfen von vielleicht 2 Kilo. Während mein Kumpel Jan in der Strömung, auf gerade mal 1,5 m Wassertiefe, einen herrlichen Schuppi mit über 15 kg landen konnte. Mein Hunger war geweckt – und diese erste Session sollte mir den ganzen Sommer über immer wieder in den Kopf kommen.

Die Suche nach den perfekten Flussstellen

Ich verbrachte einige Abende bei Google Maps und markierte mir Bereiche, die von der Struktur her spannend aussahen: Außenkurven, die fast immer tiefer sind, überhängende Bäume, mal leicht erreichbar, mal weiter zu laufen – viel Strömung oder ganz wenig Strömung. Im Fluss kommt da schnell einiges an Strecke zusammen, und so hatte ich bald etliche Marker im Umkreis von 20–45 Minuten Autofahrt.

Viele dieser Punkte stimmte ich immer wieder mit Jan ab. Er wohnt deutlich näher am Fluss und fuhr die Ufer mehrmals pro Woche mit dem Fahrrad ab – wovon ich enorm profitieren konnte. Gemeinsam zogen wir los und fanden immer wieder herrliche Stellen.

Der richtige Köder für die Strömung

Noch einmal zurück zur ersten Session am größeren Fluss: Damals hatte ich den Yellow dabei. Ich zog einen 20-mm-Boilie direkt aus der Tüte auf – und stellte am Morgen fest, dass er für den Fluss fast zu gut arbeitet. Denn der Boilie war nur noch etwa 10 mm groß, komplett heruntergefressen von den scheinbar zahlreichen Weißfischen.

Für das Jahres-Flussprojekt musste also ein härterer Köder her. Ich entschied mich für den Surf and Turf. Das Grundgerüst aus Geflügel- und Garnelenmehl, Hefen und Gewürzen macht diese Mischung zu einem dezenten, sehr widerstandsfähigen Boilie. Das Capsaicin der scharfen Gewürze, Rinderleberextrakt und Black Pepper Oil triggern die Fische zusätzlich. Kai hat diesen Köder extra für Strömungsgewässer wie Flüsse und Kanäle entwickelt – perfekt also für mein Vorhaben.

Für mehr Masse gab es daneben noch den Stinky – gemischt in 15, 20 und 24 mm.

Viele Fische – aber nicht die richtigen

Es stellte sich ziemlich schnell heraus, dass in den Abschnitten, auf die ich meinen Fokus gelegt hatte, richtig viel Fisch schwamm. Es tat gut, erst einmal zu fangen, und wie man weiß, haben Flussfische ordentlich Kraft. Selbst die kleineren Fische über 5 kg machten richtig Spaß im Drill.

Allerdings fing ich oft drei bis fünf Karpfen pro Nacht. Neues Ziel also: an die größeren Fische kommen.

Ich hatte bereits herausgefunden, dass ich in der Strömung in den Sommermonaten deutlich besser fing. Anfangs fütterte ich ähnlich wie am See – also relativ wenig, dafür mit attraktiven kleinen Pellets, kleinen Boilies und kleinen Hakenködern.

Als mir die kleineren Fische zu viel wurden, begann ich größere Köder zu fischen: Doppelt 15 mm, doppelt 20 mm, oder 24er kombiniert mit 20er. Damit die Fische sich trotz der Größe gut haken, nutzte ich Cork Wafter – zusätzlich resistenter gegen Weißfische.

Zu guter Letzt änderte ich auch meine Futtertaktik. Viele Mitesser bedeuten automatisch: viel Futter. Ich begann also, für meine Verhältnisse deutlich mehr zu füttern. Ich kann euch sagen: Das Prasseln von 1,5 kg Stinky und Surf & Turf pro Rute klingt einfach herrlich.

Mit den größeren Ködern und der höheren Futtermenge in der Strömung gelang es mir schließlich, Anfang Herbst zwei Fische über 15 kg innerhalb kurzer Zeit zu fangen. Eine unglaubliche Erleichterung!

Ausblick

Jetzt startet der Winter – den verbringe ich größtenteils am See. Aber es wird sicher immer wieder Sessions am Fluss geben. Und nächstes Jahr? Mal sehen… ?