Lange hatte sich das Frühjahr 2021 hinter den kalten, noch winterlichen, Temperaturen versteckt. Im April kam dann glücklicherweise die erste wirklich wärmere Phase, wo sich ein Zeitfenster für mich auftat, um den Saisonstart einzuläuten. Ich wollte das erste Mal gezielt an meinen heimischen Entwässerungskanälen angreifen. Die meiste Zeit verbrachte ich bis jetzt an den Seen meiner Heimat, da die Fische dort größer waren und das Angeln mit einer gewissen Wasserfläche vor der Nase mir mehr zusagte. Nun war es jedoch an der Zeit mal eine Planänderung vorzunehmen. Gemeinsam mit meinem Kumpel „Mo“ suchte wir an den etlichen Kilometern Kanal nach geeigneten Stellen für die Frühjahrangelei. Wir starteten zuerst mit der Recherche über Google Maps. Uns fielen einige interessant zu scheinenden Stellen ins Auge und so beschlossen wir mit der Markerrute die Stellen einmal gründlich abzuwerfen. Wir waren auf der Suche nach flacheren Bereichen, die sich schnell erwärmten und etwas abgelegen waren, da wir eine kleine Futterkampagne starten wollten. Die ersten Stellen waren nicht so erfolgsversprechend und nach einiger Suche wurden wir schließlich in einem Bereich fündig, wo wir keinerlei Informationen von anderen Karpfenanglern hatten. Das stimmte uns zuerst nicht so positiv, da an den heimischen Kanälen doch ein konstanter Angeldruck herrscht und diese Stellen evtl. nicht grundlos außerhalb des Radars der Anderen liegen könnte. Zugegebenermaßen war der Bereich sehr schlammig, aber der Schlamm war „guter“ Schlamm und nicht etwa Faulschlamm oder vergleichbares, daher hielten wir an der Entscheidung fest und begannen mit den ersten Fütterungen. Auf meinem Menüzettel für die Fische stand der Yellow in den Größen 15mm und 20mm. Ich verteilte das Futter an einem noch nicht existenten Seerosenfeld, was jedoch binnen der nächsten Wochen noch an die Oberfläche kommen sollte, so zumindest die Aufnahmen von Google Maps, die scheinbar im Sommer aufgenommen wurden. Die Menge beschränkte ich auf etwa ein Kilo alle zwei Tage. Das Wasser war noch recht kalt und der Fischbestand in dem Areal war uns völlig unbekannt, daher erst einmal langsam anfangen, denn die Futtermenge steigern kann man später noch. Bereits bei der zweiten Fütterung sahen wir zwei Fische in den langsam hochkommenden Seerosen. Ein gutes Zeichen, denn Fisch war da! Nach der dritten Fütterung beschlossen wir die erste kurze Nacht am Kanal zu starten.

Es ging in die erste Session

Jeder fischte drei Ruten und verteilte diese in den Uferbereichen. Jeweils zwei am anderen Ufer und eine am eigenen Ufer sollten die Fische schon an den Haken locken. Ich setzte bewusst auf die Resistant Hookbaits, da wir mit einem großen Aufkommen von Brassen zu rechnen hatten. Diesen Hakenköder gepaart mit einem halbierten Pop-Up wird bestimmt zum Erfolg führen. Bereits nach kurzer Zeit hatte mein Kumpel Mo einen Biss auf einer seiner Ruten, den er aber leider durch ausschlitzen verlor. Etwas enttäuscht starteten wir in die erste Nacht. Enttäuscht nicht weil wir so schlecht fingen, sondern weil der erste Fisch an einem neuen Gewässer immer was Besonderes ist und den möchte man natürlich gerne fangen. Der Rest des Tages verlief sehr ruhig. Erst am nächsten Morgen konnte Mo einen weiteren Fisch ans Band bekommen und dieser Fisch landete souverän im Kescher. Ein toller und typischer Kanalschuppi. Super, der Anfang war gemacht und dass bei gerade einmal elf Grad Wassertemperatur. Leider hatte das Wetter die letzten Tage wieder gewechselt und war deutlich kühler geworden. Kurz nach dem Fisch von Mo stand ich mit einer krummen Rute in der Hand am Kanalufer und drillte meinen ersten Kanalkarpfen aus dem Gewässer. Ein kleinerer, aber dennoch perfekter Kanalschuppi landete im Kescher und ich war richtig happy über diesen Fisch.

Den Rest der Kurzsession konnten wir keine weiteren Aktionen verbuchen, was uns jedoch nicht wirklich störte, da der Anfang gemacht war und die Umstände deutlich besser hätten sein können. Wir hielten dennoch an der Strategie fest unter fütterten die Plätze mit wenig Futter weiter.

Auf in die zweite Session

So kamen wir bereits eine Woche später wieder am Kanal vorbei und versuchten erneut unser Glück an der vorbereiteten Stelle. Wir hielten den Platz weiter unter Futter und behielten das Intervall von 48h bei. Nach dem langen Fußmarsch an der Stelle angekommen sahen wir bereits, dass das Frühjahr in großen Schritten näherkam. Leider hatte ein heftiger Wetterwechsel die vorangegangenen Tage dazu beigetragen, dass das Wasser wieder deutlich abgekühlt war. Der viele Regen machte das Erreichen der Stelle dazu echt schwierig. Mittlerweile waren die ersten Seerosenblätter zu sehen und wir fingen an unsere Ruten zu beködern. Trotz der eher schwierigen Umstände waren wir sehr positiv gestimmt. Nach etwa 30 Minuten lagen die Ruten präzise von den Seerosen und das Warten begann. Bis zum nächsten Morgen passierte jedoch erst einmal rein gar nichts, bis der erste Fisch meinen Köder aufnahm und sich hakte. Nach einem etwas ruppigen Drill in den Seerosen konnte Mo meinen Fisch sicher keschern. Ein makelloser Schuppi, wie man ihn aus einem Kanal erwartet. Lang gestreckt und kampfstark.

Über den Tag änderten wir die Strategie, denn wir wollten mit dem Lichteinfall die UV-Aktivität der Pop-Ups nutzen. Ich montierte drei Spinner-Rigs mit einem gelben, weißen und pinken Poppi.  Wieder landeten die Ruten in Ufernähe. Da ich am eigenen Ufer eine große Bugwelle sah, platzierte ich eine Rute exakt dort. Die beiden anderen Ruten warf ich wieder press vor die Seerosen. Der Vormittag verging in Windeseile. Gegen 13 Uhr bekam ich erneut einen Biss auf meine rechte Rute. Dort hatte ich kurz zuvor den Köder vom eigenen Ufer auch auf die andere Seite des Kanals geworfen. Der Fisch nahm zügig Schnur von der Rolle und verschanzte sich in den Seerosen. Unter konstantem Druck konnte ich den Fisch aus dem Grünzeug befreien und sicher landen. Ein toller Spiegler, der nicht nur kugelrund war, sondern auch in bester Verfassung.

Nach dem Fang behielt ich die Pop-Up Strategie erste einmal bei. Leider tat sich bis zum Abend nichts mehr bei uns und so montierte ich gegen 17Uhr wieder meine Schneemänner, bestehend aus einem Yellow Resistant Hookbaits in 18mm und meinen Pinken Pop-Ups. Mo fuhr dieselbe Strategie und so starteten wir in die letzte Nacht. Wie wir es erwartet hatten, geschah bis zum frühen Morgen nichts. Lediglich eine Brasse hatte dem Schneemann nicht widerstehen können. Gegen 7Uhr etwa lief wieder die rechte Rute von mir ab. Auch dieses Mal steckte der Fisch in den Seerosen und ich hatte auch noch meinen Kescher beim Schirm liegen lassen. Ich übergab Mo meine Rute und er drillte den Fisch für mich zu Ende. Wir waren in Summe mega Happy über die drei gefangenen Fische und beendeten die Session.

Die Abschlussnacht

Das Vorfüttern behielten wir bei und gingen eine Woche später wieder an das Kanalstück. Dieses Mal hatten wir eine Nacht Zeit und den nächsten Tag bis etwa frühen Nachmittag. Mittlerweile war eine gewisse Routine in die Kanalangelei eingekehrt und die Handgriffe sitzen wie aus dem FF. Leider hatte ich eine meiner Ruten durch Unachtsamkeit geschrottet und musste zügig nach Hause fahren, um eine neue Rute zu holen. Gut, dass ich noch eine Zuhause liegen hatte. Als ich gerade am Platz wieder ankam sah ich wie Mo seine Rute ablief. Er war sofort zur Stelle und drillte einen echt krassen Spiegler mit tollem Schuppenkleid. Ein Wahnsinnsfisch! Der Start war gemacht und wir voller Hoffnung noch einen weiteren fangen zu können. Dieses passierte dann auch zu unserer Verwunderung kurze Zeit später. Wieder hatte Mo einen tollen Fisch im Drill und kurze Zeit später lichtete ich ihn mit einem weiteren Spiegler ab. Super Start, damit hatten wir so nicht gerechnet, das stand schon einmal fest, da wir in den vorherigen Ansitzen nie in der Abenddämmerung auf Fisch kamen. Die Nacht war sehr ruhig und bei mir schien sich eine Flaute anzubahnen, bis ich wieder um 7 Uhr einen Lauf auf meine rechte Rute bekam. Nach knackigem Drill landete bei toller Schuppi im Kescher und ich sehr erleichtert, dass die Futterstrategie aufging.

Drei Fische in gerade einmal 12h ist schon ein tolles Ergebnis. Wir waren sehr zufrieden und stellten unsere Strategie noch einmal für die Tagesstunden um. Wieder sollten Pop-Ups den schnellen Erfolg bringen. Dieses Mal hatte ich jedoch alle Karten auf Pink gesetzt. Gegen späten Vormittag bekam ich dann einen heftigen Biss auf meine rechte Rute und nach langanhaltendem Drill hatte ich echte Maschine aus dem Kanal gezaubert. Ich war mega glücklich und freute mich tierisch über diesen krassen Fisch. Nicht der Allergrößte, aber für den Kanal schon ein echt guter Fisch.

Zufrieden packten wir am frühen Nachmittag unsere Sachen zusammen und verabschiedeten uns von dem Kanal, da wir das nächste Projekt bereits in Planung hatten und somit das Frühjahr abgehakt war. Was dann passierte erfahrt ihr im nächsten Beitrag über das Frühjahr und den Frühsommer. 

Bis dahin & alles Gute!