Aufgrund unseres Umzugs Anfang Juli war ich mehr oder weniger gezwungen, die längste Angelpause der letzten 10 Jahre einzulegen. (Der Angelkeller war das Aufwendigste :)) Mit Vor und Nacharbeiten war ich fast drei Monate nicht am Wasser, um auf Karpfen zu angeln.
Als der Großteil geschafft war, wollte ich einfach nur angeln gehen. Endlich wieder draußen sein, die restliche Sommerzeit genießen, im Optimalfall gepaart mit dem Fang einiger Karpfen. Der August hat sich die letzten Jahre als sehr guter Monat erwiesen, gerade auf Futterplätzen in tieferen Bereichen habe ich gute Sessions erleben dürfen. Zum „Neustart“ wollte ich es mir nicht allzu schwer machen und wählte ein mir bekanntes Gewässer. Es handelt sich hierbei um einen Baggersee, fast 50 Hektar groß und bis zu 25 Meter tief.
Meine Spotwahl fiel auf eine Uferkante, die sich langsam von 6 auf 12 Meter Tiefe erstreckt. Dort verteilte ich großzügig Futter. Ich war mir sicher, dass nicht viele andere Angler dort aktiv sind und des Weiteren kenne ich den Fischbestand und weiß, dass dieser so groß ist, dass das Futter sicher Abnehmer finden wird. An flachen Gewässern, die im Sommer deutlich wärmer werden wie dieser tiefe Baggersee, wäre ich allerdings sparsamer, was die Futtermenge angeht. Aufgrund meiner Kenntnisse über den Bestand, wählte ich nur Boilies mit 24 und 30mm Durchmesser. Damit kann ich zumindest ein wenig selektieren, und mache nicht nur Brassen und Satzkarpfen satt. Zumindest in meiner Hoffnung.


Zwei Tage nach der ersten Fütterung fahre ich erneut ans Gewässer und lege nach. Obwohl ich bereits am nächsten Tag den ersten Overnighter geplant hatte, spare ich wieder nicht am Futter. 10 Kilo Boilies verteile ich großflächig auf der besagten Kante. Vor Jahren schrieb Volker Seuss einen Artikel, in dem er dieses Vorgehen die „Überfalltaktik“ nennt. Also keinen Langzeitfutterplatz zu pflegen, sondern nur ein oder zwei Mal größere Mengen anfüttern, um dann eine oder mehrere Sessions auf diesem Platz zu fischen. Gerade im Sommer oder im frühen Herbst hat diese Taktik auch bei mir gut funktioniert. Die Fische werden schnell auf das Futter aufmerksam, da sie zu diesen Jahreszeiten meist sehr aktiv sind und viel in Bewegung. Außerdem sind die Karpfen hungrig, da die Wassertemperaturen nach dem Hochsommer endlich abkühlen und die Sauerstoffsättigung im Gewässer wieder steigt.


Die erste Session kam und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Ich fing mehrere Fische, unter anderem einen der größten Spiegler des Sees. Nur drei Tage später konnte ich sogar noch mehr Fische fangen und mit über 21 kg war wieder ein Großer dabei. Mehr als zufrieden beendete ich diese kurze Kurzkampagne und fuhr für ein paar Tage zum Raubfischangeln ins Nachbarland. Zurück aus Holland wollte ich die zuvor gefahrene Taktik an einem anderen Gewässer wiederholen.
Dieses Mal jedoch weniger selektiv, sondern eher auf Frequenz, also auf möglichst viele Bisse ausgelegt. Dafür kochte ich einen Mix aus verschiedenen Partikeln ab. Gut 25 Kilo, bestehend aus Hanf, Maple Pies, Buchweizen und Tigernüssen rührte ich an. Dazu noch ungefähr 5 Kilo Boilies. Wieder verteilte ich das Futter auf der eigenen Uferkante, zwischen 8 und 10 Meter Tiefe. Ich legte einen ziemlich breiten Platz an und fütterte nicht nur zwei einzelne Spots. An rechten und linken Rand konnte ich meine Ruten platzieren, beide in unterschiedlichen Tiefen und weit genug auseinander, dass ein Biss und damit verbundener Drill nicht alle sich am Platz befindenden Karpfen verjagen würde.



Zwei Tage nach der großen Fütterung stand ich wieder am Ufer, dieses Mal mit Tackle und Verpflegung für drei volle Tage. Schnell waren die Ruten beködert und abgelängt, bevor eine nach der anderen auf ihren Spot flog. Ich entschied mich sehr wenig zu füttern und die Hakenköder auffällig zu gestalten, in der Hoffnung schneller eine Aktion zu bekommen. Trotz großer Überzeugung in meine Futtertaktik, wollte ich erstmal einen Fisch fangen, bevor ich weiter nachlegen würde. Bereits am frühen Abend konnte ich einen kleineren Spiegler fangen, zu meiner Überraschung passierte anschließend erst einmal nichts mehr. Es dauerte bis zum nächsten Mittag, als ein Wels meinen Köder nahm. Erst am darauffolgenden Morgen konnte ich wieder einen Karpfen fangen. Dieser war dann der Startschuss! Den Rest des Tages verbrachte ich nur noch mit drillen, füttern, Rigs knoten und Fische ablichten. Der letzte Fisch am späten Nachmittag war dann auch der Größte, es lohnte sich also, den ganzen Tag „durchzuangeln“. Nach jedem Fisch flogen etwa zwei Kilo 24er Boilies auf den Spot. Partikel ließ ich komplett weg. Trotzdem ließen die Bisse kaum auf sich warten. Die Fische waren voll aufs Futter eingeschossen!

Bei Gewässer zwei dauerte es etwas länger, bis der „Schalter umgelegt war“, ansonsten lief es beide Male komplett nach Plan! Der Faktor Zeit spielt wie in den meisten Sessions auch hier eine Rolle, mit richtiger Vorbereitung zur richtigen Zeit kann das Ergebnis jedoch deutlich optimiert werden. Gerade der August oder der September sind eine ideale Zeit, um solch eine Futtertaktik auszuprobieren.

