Der Etang de Gaulois ist ein kommerzielles Gewässer in einer wirklich herrlichen Umgebung in der Borgoungne. Das erste Mal besuchte ich diesen Ort für den Dreh der Korda Masterclass zusammen mit Daniel Brünkmanns und Christopher Paschmanns. Ein See mit 28ha und etwa 1000 Fischen drin, alle wirklich wunderschön und kerngesund. Im ersten Moment klingt es nach einem überbesetztem Tümpel, in dem einfach jeder etwas fängt. Doch schon die erste Session mit Daniel und Christopher zeigte mir, dass es auf jeden Fall gut laufen kann, aber nicht muss. Während die beiden einen Fisch nach dem anderen fingen, gab es viele weitere Angler am See, die deutlich weniger oder gar nichts ans Band bekamen. Die Taktik von Daniel und Christopher war, viel Futter auf einer großen Fläche zu füttern und mittig sowie am Rand des Futterplatzes die Montagen zu platzieren. Mit viel Futter meine ich 15kg am Tag auf einer Fläche von ca. 80m Breite. Somit sollte gewährleistet werden, dass sich viele Fische am Platz aufhalten und dort so lange wie möglich verweilen. Dies klappte die komplette Woche beeindruckend gut und beide konnten bis über 100 Fische zu zweit fangen. Ich selbst habe dort nicht geangelt, sondern mich um das Wohl der Beiden sowie der Kameramänner gekümmert.

Zwei Wochen später jedoch war ich noch einmal vor Ort, dieses Mal um selbst zu angeln. Natürlich war die Taktik klar und ich war mir sicher, dass ich einiges zu tun bekommen werde. Das ernüchternde Ergebnis nach einer Woche: 3 kleine Karpfen fanden den Weg in den Kescher, ansonsten komplette Ebbe. Während der Woche versuchte ich, meine Taktik anzupassen und mit weniger Futter zum Erfolg zu kommen, allerdings brachte das so gut wie nichts. Die Fische schienen woanders zu sein, denn der Rest am See fing konstant Karpfen. Enttäuscht fuhr ich wieder nach Hause mit dem Wissen, dass die beste Taktik nicht klappt, wenn die Fische nicht in deinem Bereich sind. Diese Lektion sollte mir ein paar Jahre später noch helfen, aber dazu jetzt mehr…

Im September 2021 bekam ich einen Anruf von einem Bekannten. Dieser berichtete mir, dass er zum Gaulois fährt, aber ein guter Freund kurzfristig abspringen muss. Er fragte mich, ob ich nicht spontan Lust habe, für 2 Wochen mitzukommen, um an diesem See zu fischen. Glücklicherweise hatte mein Urlaub gerade begonnen und ich hatte mir noch nichts anderes vorgenommen. Somit sagte ich zu und schon 2 Tage später saß ich im Auto auf dem Weg nach Frankreich. Mit dabei waren einige Yellow und Brown Astacus Boilies in verschiedenen Größen sowie ein paar Kilo des Prototypen. Eine spezielle Taktik hatte ich mir vorab nicht zurechtgelegt, jedoch hatte ich lieber ein etwas mehr Futter eingepackt, nur für den Fall 😉 Ich wollte mir erst einmal ein Bild vor Ort machen: Wie ist das Wetter, von wo kommt der Wind und sehe ich verräterische Zeichen von Fischen? Der Platz, den ich bezog, war der gleiche, wie vor ein paar Jahren: Platz 13 mit einem lang in den See reichenden Steg. Mein Bekannter und seine Freundin fischten rechts neben mir auf den Plätzen 11 und 12. An den Plätzen angekommen ging es als erstes ans Camp errichten, immer mit einem Auge auf das Wasser gerichtet. Der Wind kam von hinten und drückt die Wellen ans gegenüberliegende Ufer, es ist warm mit knappen 20 Grad und der Wind soll täglich wechseln, darüber hinaus sich Regen und Sonne abwechseln. Da ich hier ja schon die Erfahrung gemacht habe, dass die Karpfen dem Wind folgen, war das für mich erst einmal eine Warnung, nicht zu viel Futter zu verteilen, da ich die meisten Fische an anderen Plätzen vermutete. Und tatsächlich zeigen sich schnell ein paar Karpfen springend und buckelnd am anderen Ufer, nicht zu erreichen für uns. Auf unserer Seite jedoch war nichts zu sehen oder zu hören. Ein schlechtes Gefühl beschlich mich, vor allem, weil die nächsten Tage der Wind auf einen ganz anderen Teil des Sees drücken sollte. Ich beschloss, zwei Ruten nah beieinander zu fischen und mit der dritten Rute aktiv nach Karpfen zu suchen und verschiedene Bereiche von meiner Stelle aus anzuwerfen. Auf die zwei Ruten kamen das Hauptfutter bestehend aus Yellow und Prototyp Boilies, mit Yellow Liquid und Baitpowder behandelt, die ich mithilfe der Spomb an den Platz brachte. Mehr als 2kg kam allerdings erst einmal nicht rein. Ich fischte mit dem COG System und IQ D-Rig, diese Kombination hat mich noch nie im Stich gelassen und hakt außerordentlich aggressiv. Als Hakenköder kamen Yellow und Brown Astacus Wafter zum Einsatz, sie schweben dank ihres Eigengewichtes direkt über den Wide Gape Haken und fliegen beim Ansaugen schneller und weiter ins Karpfenmaul, so dass die Wahrscheinlichkeit ziemlich gering ist, dass der Fisch den Haken beim ausblasen wieder los wird. Bei der dritten Rute nutze ich das Multi Rig und biete einen pinken Brown Astacus Pop Up an. Als Beifutter kommen maximal 200 Gramm Yellow Boilies zum Einsatz, die vorab in Hanföl eingelegt wurden. Diese warf ich mit dem Wurfrohr grob um den Pop Up herum und erhoffte mir so einen schnellen Biss.

Trotz mehrfachem Umlegens meiner Pop Up Rute und Funkstille auf dem Futterplatz in den ersten 2 Tagen war ich relativ entspannt. Ich habe von Anfang an nicht mit viel Fisch in meinem Areal gerechnet und zusätzlich zeigten sich immer mehr Fische am gegenüber liegendem Ufer. Ich musste einfach versuchen, mit der Jokerrute so weit wie möglich an sie heran zu kommen, was allerdings bedeutete, dass ich nicht mehr mit dem Futter hinterher komme. Also beschloss ich auch diese Rute mit Wafter zu fischen und notfalls auch mal 24 Stunden oder länger liegen zu lassen, um zu sehen, ob Fische in diesem Bereich vorbeiziehen. Ich ging also so weit wie möglich mit der Wathose ins Wasser und warf einfach soweit ich konnte Richtung gegenüberliegendem Ufer und platzierte dort meinen Brown Astacus-Wafter als Single-Hook-Bait. Auf den Hauptfutterplatz änderte ich erst einmal nur die Futtermenge, 500 Gramm pro Tag sollten reichen, solange ich keine Aktion verzeichnete.

Mein Bekannter ging ganz anders vor: Er füttert von Tag zu Tag mehr Boilies und Pellets und zuerst hat er auch Erfolg damit, sodass er die ersten Fische der Session fing, darunter gute Spiegler mit über 20kg. Das gab mir ein gutes Gefühl, da sein Futterplatz unweit von meinem war und scheinbar ein paar Fische doch patrouillierten. Jedoch bin ich mir sicher, dass seine Art des Fütterns, die der von Daniel und Christopher ziemlich ähnelte, noch Probleme mit sich bringen würde, da diese Vorgehensweise seit der Erscheinung der DVD dort fast ausschließlich gewählt wurde und die Fische sicherlich nicht immer gut drauf reagierten. Und schon nach dem dritten Tag ändert sich tatsächlich das Blatt und ich konnte die ersten Fische fangen, fast ausschließlich auf der Single-Hookbait-Rute weit draußen, während mein Kollege weniger Bisse verzeichnete. Die Tage darauf dasselbe Spiel, meine Jokerrute brachte konstant Fisch und auch auf dem Hauptfutterplatz begann es zu laufen, ich konnte in der ersten Woche 13 Fische bis 23kg fangen, was für die Bedingungen okay war – aber ausbaufähig. Mein Bekannter und seine Freundin haben zu zweit auch 13 Fische gefangen, jedoch die meisten in den ersten Tagen. Er beschloss, eine weitere große Ladung Boilies zu füttern, obwohl seit über 2 Tagen nichts ging. Ich blieb bei meiner Taktik, mit wenig Futter variabel zu fischen und aktiv Fische zu suchen und sie zu einem schnellen Anbiss zu verleiten, da ich nicht glaubte, dass viele Fische am Platz waren.

In der zweiten Woche fing ich noch 15 weitere Karpfen bis über 20kg während neben mir fast nur noch geblankt wurde. So unterschiedlich kann es laufen bei verschiedenen Futtertaktiken. Was nicht bedeutet, dass seine Taktik eine schlechte war. denn wenn genug Fisch am Platz ist, kann es auch ganz schnell mal anders laufen. Aber die Lehre die ich vor ein paar Jahren gezogen hatte, hat mir geholfen, flexibel mit Situationen umzugehen und dass viel Futter nicht immer viel Fisch bedeutet, obwohl genügend davon im Gaulois herumschwimmen. Auf jeden Fall sollte man sich bewusst sein, dass die Fische nicht alle 365 Tage im Jahr gleich fressen und man lieber mit etwas weniger Futter starten sollte, wenn man sich nicht sicher ist, was man erwarten kann. Im April 2022 bin ich ein letztes Mal am Gaulois an einer komplett anderen Stelle, von der aus ich 3 Seebereiche beangeln kann. Jeden Bereich werde ich anders befischen. Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse ich gewinnen werde.

Euch am Wasser viel Erfolg und setzt euer Futter sinnvoll ein!

Jan Brase